Erfahrungsbericht

Firebird @

 

@ heißt der Firebird DHV 1-2 Nachfolger des Ignition. Laut Hersteller "der perfekte Schirm für alle Anfänger und Gelegenheitspiloten". Nachfolger bedeutet in diesem Fall aber, dass lediglich das Design und der Name des Schirmes verändert wurde. Auszug aus dem BigAirParagling Forum:

From Stephan Hueglin of Firebird Sky Sports AG :

The @ is based on the Ignition. We changed the finish to the latest standard. Why we did this? Because we had a high request from schools to go on with this glider. The glider is well proofed in the schools and the people like to teach with it.

Ein Urteil über diese Modellpolitik, bei der für den gleichen Schirm ein neues Gütesiegel für den neuen Namen erstellt wurde soll jeder für sich selbst fällen. Zu meinem @ kam ich eigentlich wie die Jungfrau zum Kind. Vorher flog ich einen Edel Confidence, bei dem ich aber nach fast einem Jahr fliegen merkte, dass die Größenangabe des Herstellers (L) nicht mit der Größenangabe der DHV - Plakette übereinstimmte. Da ein Umtausch wegen der Auflösung der bisherigen Edel-Korea Produktlinie nicht mehr in Frage kam, wurde mir der @ mehr oder weniger von meiner Flugschule angedreht.

Mittlerweile kenne ich den Schirm aber recht gut und fühle mich auch wohl damit.

 

Die Kappe des @ (getestete Größe M) besteht aus 41 Zellen mit konventionellem Aufbau, also ohne Diagonalrippen. Zwei Verstärkungsbänder am Untersegel sind zu erkennen. Als Material ist ein 44 g/qm Nylon Ripstop vernäht. Die eher geringe Streckung von 4,9 zeigt, dass es sich bei dem Flügel um eine Konstruktion handelt, die den Spielraum in der 1-2er Klasse nicht ausreizt, sondern auf der sicheren Seite ist.

 

 

Die Tragegurte sind in vier in 4 Ebenen unterteilt, wobei die A-Gurte geteilt sind. Zum Ohrenanlegen muss nur ein kleines Klettband gelöst werden. Das Beschleunigungssystem wirkt auf die A, B und C-Ebene. Die farbliche Trennung und relative Dicke der Aramid-Kern Leinen mit Polyester Ummantelung ermöglicht leichtestes Sortieren. In kurzer Zeit kann der Flügel also startbereit sein.

 

 

Die ideale Weise mit dem @ in die Luft zu gelangen ist ein sehr einfacher Rückwärtsstart mit etwas Wind zur Unterstützung. Die Kappe steigt mit leichtem Impuls sicher hoch und kann mit den D-Gurten sehr exakt geführt und korrigiert werden.

Das Startverhalten beim Vorwärtsstart stellte mich anfangs gelegentlich vor Probleme. Da ich erst bei mäßigem Wind rückwärts starte und von den Starteigenschaften sehr an den Edel Confidence gewöhnt war, hatte ich bei Nullwind oder Rückenwind meine Schwierigkeiten.

Hat man nämlich beim Firebird @ die Arme in der Ausgangsstellung an den Ohren (was beim Confidence ideal war), so füllt sich der Schirm nur unwillig. Passt man dagegen auf, die A-Gurte nicht zu sehr zu verkürzen und die Arme locker nach hinten hängen zu haben, so füllt sich der Schirm sicher und gleichmäßig. Auch schlampig ausgelegt stellt die Inflation dann kein großes Problem dar.

Der 1-2er Schirm verlangt nach dem Anfangsimpuls bei Nullwind oder Rückenwind nach intensiver und anhaltender Führung an de A-Gurten. Lässt man die Gurte etwas zu früh aus, bleibt der Schirm hinten hängen und fällt zurück. Natürlich lässt sich dieses Startverhalten gewöhnen und üben, trotzdem gelingen mir Starts bei schlechten Windsituationen nur mit etwas längerer Startstrecke als beim Edel.

Man kann den Schirm auch bei mittlerem Rückenwind starten, nur sollte man sich bewusst sein, dass die Startstrecke dann deutlich ansteigt. Auch der Tipp des Handbuches, die Leinen hier erst nach 1-2 Schritten zu spannen verkürzt den Führungsweg nur unwesentlich.

Dieses anfangs für mich etwas gewöhnungsbedürftige Startverhalten bei widrigen Bedingungen kann man natürlich gut in den Griff bekommen, nur zeigten zahlreiche Mitbewerber, die ich vor allem an der Winde ausprobierte in der gleichen DHV-Klasse "narrensicherere" Eigenschaften.

Die Kappe zeigt auch bei dynamischem Impuls keine Neigung zum Überschießen. In leicht angebremsten Zustand sind es dann nur noch wenige Schritte bis in die Luft...

Airborne zeigt sich der @ immer von seiner sicheren und vertrauenerweckenden Seite. Die Trimspeed von 37 km/h lässt sich mittels des Beschleunigungssystem auf heutzutage moderate 45 km/h erhöhen. Der Kraftaufwand für das Gaspedal ist dabei gering. Im Gegensatz zu höher klassifizierten Schirmen weist der @ eine höhere Dämpfung auf, vor allem um die Querachse bringt den Schirm so schnell nichts aus dem Gleichgewicht. Der Steuerdruck ist für mein Empfinden eher hoch und nimmt ab 50% nochmals deutlich zu. Den Schirm unbeabsichtigt zu stallen ist damit kaum möglich. Nach längeren Flügen ab 1-2 Stunden spürt man den erhöhten Kraftaufwand aber. Die Steuerwege sind sehr lang, um den Schirm vollständig zu stallen muss man einmal wickeln.

 

Die Flugeigenschaften schaffen von Anfang an Vertrauen in den Flügel, das er auch in anspruchsvollen Bedingungen rechtfertigt. Aktiv geflogen kommt es selten zu massiven Einklappungen. Sollte es doch einmal so kommen, so lässt sich der Flügel leicht stützen, und durch einen kurzen Impuls auf der geklappten Seite schnell wieder auf Kurs bringen. Selbst beschleunigt und stark vorgependelte provozierte >50% Klapper kann man so aussteuern, dass nur wenig von der Flugbahn abgewichen wird. Ich übe dieses Manöver eigentlich jeden Flugtag bei Gelegenheit mehrmals, genauso wie die Abstiegshilfen.

 

Ohren Anlegen:

Big Ears sind durch die geteilten A-Gurte sehr simpel, der Außenflügel entleert vollständig und öffnet auch ohne Impuls langsam wieder. Mit Bremsimpuls ist das Ohr sofort wieder offen. Es ist auch möglich, eine weitere A-Leine einzuholen, Der Flügel hängt dann nur noch an den inneren beiden A-Leinen und ist sehr empfindlich auf die Gewichtsverlagerung. Mit Beschleuniger und normal angelegten Ohren steigt das Sinken auf etwa 3,5m/s an.

 

B-Stall:

Der Kraftaufwand für den B-Stall ist am Anfang sehr hoch, lässt aber dann deutlich nach. Der Schirm zeigt keine Tendenz zur Rosette und fährt beim Freigeben der Tragegurte selbstständig und schnell wieder an. Bis 8 m/s sind erreichbar, trotzdem liegt mir das Manöver bei diesem Schirm nicht, weil mir der Kraftaufwand zu hoch erscheit und ich gerne spirale...

 

Steilspirale:

Die Steilspirale kann beim @ sehr schnell eingeleitet werden. Mit Vorpendeln und vor allem durch Rollen geht der Schirm in weniger als einer Umdrehung in die Spirale. Bei 8-10 m/s stellt sich der Schirm vollständig auf die Nase. Das Maximum, das ich bisher an Sinken erreichte, waren 18m/s, recht viel mehr scheint nicht möglich zu sein. Die Ausleitung ist einfach, erfolgt beim Nachlassen der inneren Seite über mehrere Umdrehungen immer selbstständig, ohne je stabil zu wirken. Auch das Nachpendeln beim Ausleiten ist leicht zu verhindern.

 

Fullstall:

Durch den langen Bremsweg ist es sinnvoll die Bremsleinen zweimal zu wickeln, um den Flügel vollständig zu entleeren. Die Ausleitung ist unspektakulär, ein Vorschießen von mehr als etwa 60 Grad konnte ich nie feststellen, bei entsprechendem Gegenbremsen natürlich deutlich weniger.

 

Trudeln:

Um eine Negativdrehung zu provozieren ist es wieder hilfreich die Bremsleine zweimal zu wickeln, unbeabsichtiges Trudeln kann ich mir mit dem @ kaum vorstellen. Bei Trudelbewegungen bis 180 Grad reicht es, die Hände hoch zu halten und das Manöver ist beendet. Bei weitergehenden Trudelbewegungen beschleunigt der Schirm, um bei etwa 2 Umdrehungen die Trudelbewegung deutlich zu verlangsamen. Eine Ausleitung über Fullstall ist dann der Weg zurück zum Normalflug.

 

Nach so viel Manövern bleibt aber festzuhalten, dass das eigentliche Metier des Flügels entspanntes und sicheres Genussfliegen ist. Der Schirm lässt sich gut in der Thermik zentrieren, er spricht auch auf kleine Verlagerungen des Gewichtes bereits gut an. Die Gewichtskraftsteuerung ist auch angeraten um lange im Bart zu bleiben und dabei die Armkraft auf der Innenbremse nicht zu verschwenden.

Der @ lässt sich bei der Unterstützung der kurvenäußernen Seite relativ flach drehen.

Die Kappe meldet die Bewegung in der Luft deutlich an den Piloten weiter, ein Zentrieren nur nach dem Hintern und ohne Vario ist eine interessante Übung. 

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich recht gut an den @ gewöhnt habe und ihn sicher noch einige Zeit gerne fliegen werde. Nach der Anpassung meiner Vorwärtsstarttechnik ist vor allem das sehr überschaubare Flugverhalten Grundlage für fliegerischen Hochgenuss. Ich fühle mich mit dem Flügel recht sicher und kann mich gut auf die Thermik konzentrieren, ohne an die Kappe zu denken.

Sicherlich ist die Leistungsfähigkeit der heute schon etwas "angegrauten" Konstruktion nicht mit den aktuellen, häufig auch weiter ausgereizten Geräten in der 1-2er Klasse zu vergleichen. Dafür hat man aber einen in allen Bedingungen bekannten und erprobten Schirm, der ein hohes Sicherheitspotenzial bietet.

 

 

Stefan Maß

 

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